„Der Ortesweg- oder auf einer Autobahn des 8. Jahrhunderts Geschichte er“fahren“

 

Am 23. Juli starten wir mit unseren Mountainbikes und Rucksackgepäck, also wie zu unseren Anfangszeiten vor über 20 Jahren, auf einer der ersten urkundlich erwähnten Altstraßen, um Geschichte zu er“fahren“.
Der Alte Weg aus der Wedereiba (Wetterau) durch die Hochrhön und der Rennweg durch die wenig bekannten Haßberge  stellen heute eine Mischung von  MTB- und Trekkingrad  Route dar. Auf der teilweise nicht markierten Wegeführung legen wir in knapp 3 Tagen ca. 180 Km und ca. 3.000 Hm zurück. Dabei führt uns die historische Verkehrsader zu Ausgrabungsstätten aus jener Epoche und auch zu einem Kloster, in dem wir übernachten werden. Bei unseren Recherchen sind wir auf Jochen Heinke und eines seiner Bücher „Unterwegs auf den Straßen unserer Urahnen“ gestoßen. Er befasst sich seit vielen Jahren (vorwiegend in Osthessen, Unterfranken und Südthüringen)  mit der Konzeption und Wegweisung touristischer Routen und ist Autor zahlreicher Fachbeiträge und Bücher zum Thema „Historische Straßen und Wege“, aber auch vieler Fahrradbücher.
Uns bislang nicht so richtig bewusst verbindet uns seit über 15 Jahren eine Seelengemeinschaft. Denn er bezieht sich in seiner Altstraßenforschung wie wir u.a. auf  den großen hess. Altstraßenforscher  Willi Görich,  Historiker am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg. Genau wie wir, erforscht Heinke selbst historische Straßen und Wege, um sie für andere, z. B. per GPS, nach vollziehbar und damit begeh- und er“fahrbar “ zu machen. Mehr auch unter www.unterwegs-auf-alten-strassen.de und unter www.himobiker.de/?site=main2&cmd=brosch
Der sogenannte Ortesweg (Ortesveca) von der  Fulda durch die Hochrhön zur Fränkischen Saale spielt in der Gründungsgeschichte  des Klosters Fulda durch Bonifatius um die Mitte des 8 Jhd. , eine wichtige Rolle. Er wurde später Teil der Verbindung von Fulda nach Bamberg, deren zweiter  Abschnitt von der damaligen Pfalz Salz, einer Gründung Karls des Großen, auf dem sogenannten Haßberge-Rennweg bis nach Hallstadt führte. Hallstadt war, lange vor der Gründung Bambergs, ein wichtiger Handelsplatz für den Handel der Karolinger mit den Slawen.

Der Ortesweg, war also eine uralte Handelsstraße, die vom Marburger Land, über den Vogelsberg, die Rhön und über das historische Grabfeld zum bedeutenden karolingischen Handelsplatz Hallstadt bei Bamberg zum Main führte. Der Weg wurde im späten 8. Jahrhundert in der Vita Sturmi vom vierten Abt Fuldas Eigil erstmals erwähnt, als im Jahre 743 der Hersfelder Einsiedler und Mönch Sturmius im Namen des Bonifatius nach einem geeigneten Ort für das Kloster suchte.
Dabei traf er auf einen Mann, der ein Pferd seines aus der Wedereiba stammenden weltlichen Herrn Ortis führte und auf dem mit altem Namen Ortesveca genannten Weg aus dem Marburger Land in das Grabfeld zog. Der Weg soll auch in der Schenkungsurkunde (um 744, Urkunde verschollen) von Hausmeier Karlmann an Bonifatius erwähnt worden sein, in der er das Land für das Kloster Fulda erhielt. Ausgrabungen belegen, dass der Weg schon von Kelten genutzt wurde. Nach der These von Dr. Hahn aus Fulda und dem Marburger Willi Görich verknüpfte er schon in keltischen Zeiten wichtige Siedlungsschwerpunkte (Oppida), wie die keltischen Zentren Dünsberg bei Gießen, Steinsburg und die Milseburg in der Rhön.Kreuzberg
Kloster Kreuzberg Quelle de-academic-ru

Auch unser Etappenziel das Franziskanerkloster Kreuzberg nahe der Stadt Bischofsheim an der Rhön stützt diese These, denn möglicherweise befand sich in vorchristlicher Zeit auf dem Kreuzberg eine heidnische Kultstätte. Der frühere Name Aschberg deutet auf kultische und religiöse Handlungen auf dem Berg zur Keltenzeit hin. Seit der Missionierung der Franken durch den Iroschotten St. Kilian und seine Gefährten im Jahre 686 gilt der Kreuzberg als „Heiliger Berg der Franken. Auch die Merowinger hinterließen entlang der alten Hochstraße ihre Spuren (z. B. Königshof in Fulda und Gräberfelder in den Haßbergen). Er galt später als wichtiger Verbindungsweg zwischen der Abtei Fulda und der dazugehörigen Propstei Hammelburg. Der Fernweg wurde auch von den fränkischen Königen (897 reiste König Arnulf von Kärnten von Fulda nach Salz) und Kaisern benutzt, um zur Pfalz Salz zu gelangen.

Castellum Salz (VEITSBERG)
Salz2

Salz1

Das Zentrum des Pfalzgebietes Salz, die eigentliche Pfalzanlage mit ihren notwendigen Repräsentations- und Kirchenbauten, ist auch bislang nicht sicher lokalisiert. Die ergrabenen Mauerzüge auf dem Veitsberg weisen den Platz, wenn schon nicht als palatium, so doch mindestens als fortifikatorischen Mittelpunkt des Pfalzgebietes aus.

Quelle: © Stadt Bad Neustadt a. d. Saale – Enfold Child Theme byArnulf

Arnulf von Kärnten
© wissenmedia

Im Gegensatz zu frühen Straßenforschungen gilt als wahrscheinlich, dass bereits die Karolinger „Straßen“ neu bauten bzw. Verbesserungen an den vorgefundenen Wegen vornahmen. So verliefen die vorfränkischen Wege (bis zum 6. Jh. n.Ch.), vorwiegend auf naturgegebenen Höhen (Höhenstraßen) und waren auf Furten angewiesen. Ihr wichtigstes Kennzeichen: Das Zusammenfallen mit Flurgrenzen auf größeren Strecken.
Die fränkischen Straßen (6. – 10. Jh. ) wurden planmäßig und unabhängig von den vorfränkischen Wegen vom fränkischen Staat und König angelegt. Ihr Kennzeichen: Brücken, Specken (Knüppelwege) Hohlwege und ähnliche Kunstbauten, dazu Verlauf im Tal. Wir haben uns auf unserer Tour für den Wegeverlauf der Hochstraße aus dieser Epoche entschieden.

Neben einem Vor- und 3 Tagebuchberichten in der mittelhessischen Presse schreiben wir auch eine Reportage für das Fahrradmagazin und ergänzt wird das Ganze mit unseren GPS Daten und einer Buchempfehlung.
Mit freundlichen Grüßen

DIE HINTERLÄNDER MOUNTAINBIKER
Mehr über die Guinessbuch-Rekordhalter erfahren Sie im Internet unter:
http://www.himobiker.de
Quellen:
Geschichte von Bad Neustadt, die eng mit dem Ortesweg und der Königspfalz zusammenhängt
Die Gemeinde Salz mit geschichtlichen Abrissen auch zum „Karolingerweg“
Der Ortesweg – der uralte Fernweg über die Höhen des Vogelsbergs
Der Verlust der Verkehrsbedeutung des Ortesweges

Quelle: altstrassen-in-hessen.de
http://www.rhoenline.de/verkehrsbedeutung.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Ortesweg
http://www.altstrassen-in-hessen.de/altstrassen/ortesweg.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Ortesweg
Franziskus Büll, Regina E. Schwerdtfeger: Germania Benedictina Band. VII: Hessen, St. Ottilien 2004, ISBN 3-8306-7199-7
Jochen Heinke: Unterwegs auf den Straßen unserer Urahnen, Nidderau 2003, ISBN 3-936622-10-8

Georg Landau 1842 Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen

Der Altstrassenforscher Friedrich Kofler
Weitere Hinweise und Orte am Weg:
nordöstlich der Hochrhön alle nördlich einer Linie etwa Oberelsbach – Bad Neustadt Brendtal wesentlich spätere Gründungdaten haben. Ortsnamen Unterweißenbrunn, Wegfurt, Frankenheim, Haselbach und Schönau bereits auf karolingische Zeit zurückzuführen, Die späte bzw. geringe Besiedelung des zum Salzforst gehörenden Brendtales lässt den Schluss zu, dass es vor der Jahrtausendwende wohl noch keinen wichtigen Weg über die Hochrhön durch das Tal gegeben hat. Dieser wird – wie in vielen anderen Tälern auch – erst mit der zunehmenden Besiedelung entstanden sein. Der frühzeitliche Ortesweg führte anscheinend schon in der Keltenzeit als Fernweg aus dem Marburger Land durch die nördliche Wetterau (Wedereiba) und den Vogelsberg nach Fulda, wo er bei Radmühl, wo die Salz überquert wurde, die Antsanvia kreuzte.

Südlich von Fulda bei Bronnzell überschritt der Ortesweg den gleichnamigen Fluß. Danach zog er weiter über die Rhön zur keltischen Milseburg bis in das historische Grabfeld und im Mittelalter zur fränkischen Königspfalz Salz.
Nach neueren Forschungen verlief der Weg, aus dem Marburger Land kommend, über den Vogelsberg, querte die Antsanvia (von via antiana = alte Straße), um dann bei Fulda-Bronnzell den gleichnamigen Fluss zu überqueren. Weiter führte der Weg über die Rhön (Wasserkuppe und Lange Rhön), wo der Weg östlich der Fränkischen Saale zur fränkischen Königspfalz Salz (vermutlich im Gebiet zwischen Salz und Bad Neustadt an der Saale gelegen) führte. Von dort aus gabelte sich der Weg zum Thüringer Wald und als Rennweg bzw. Hohe Straße über die Haßberge in den Raum um Bamberg. Südlich von ihr zweigte er vom beschriebenen Weg in das Grabfeld ab, um dann westlich am Roten Moor vorbei und über die „Himmeldunke“ in das Brendtal zu führen.
Dass der Weg von Bischofsheim nach Salz bereits zu dieser Zeit als reiner Talweg verlief, ist jedoch kaum anzunehmen. Um den sumpfigen Stellen auszuweichen, nahm man z.B. im Kinzigtal noch bis zum neuzeitlichen Straßenbau Steilanstiege hinauf, die die Flussbögen darüber hinaus noch abschnitten und den Weg verkürzten.

Die Rhön wurde zu dem Land, von dem man noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts sagte, es sei „rau, unwirtlich und lebensfeindlich.“ Man muss deswegen davon ausgehen, dass die Überquerung der Hochrhön mit Karren oder Fuhrwerken nur wenige Wochen im Jahr möglich war.
VERLAUF DES ORTESWEGES
Ich vermute, dass der Ortesweg von Fulda über Schlechtenwegen, Ulrichstein und Burg-Gemünden nach Amöneburg führte, wo Bonifatius schon 721 ein Kloster gründete. Zwei alte Quellen aus dem 19. Jh. über die Geschichte des Großherzogthums Hessen und der Geschichte Hessens belegen, dass Burg-Gemünden ehemals auch Ober-Gemünden und „Gemünden an der Straße“ hieß, da es an der alten Fernstraße Amöneburg – Fulda lag. Dort heißt es auch, dass die ursprüngliche Dorfschaft Gemünden wahrscheinlich den ganzen Bezirk bis an den Ort, wo sich die Felda in die Ohm ergießt, bedeckte „Dieser Ort aber konnte den Mönchen, die von Fulda nach Amöneburg reiseten, darum merkwürdig genug sein, um ihn nach dieser Ausmündung zu benennen“.
Zwischen Salzschlirf und Muß zog die uralte Straße von Fulda nach Amöneburg über die Altfell, und schon 885 bestand für dieselbe eine steinerne Brücke, die im 16ten Jahrhundert bereits zerstört, erst in neuester Zeit wieder hergestellt worden ist.“
führt den Ortesweg über Steinfurt und südlich von Schlechtenwegen durch die Haardt und über den Himmelsberg Richtung Fulda.
Nach anderen Quellen verlief der Ortesweg über den Taufstein im Vogelsberg und zog über Altenschlirf und Schlechtenwegen in den Lüdergrund bei Blankenau. Dort überschritt er den Fluss, führte vorbei an der Ortswüstung Dankenrod im Biebertal, und zog am Fuße der Hainburg, der Ruine eines mittelalterlichen Herrensitzes, talabwärts nach Hainzell. Südöstlich von Hainzell passierte der Ortesweg die Erlenstruth Richtung Schlagbergfurt nordwestlich Kleinheiligkreuz, wo er die Antsanvia kreuzte, und erstieg den Osthang des Himmelsberges. Nahe der Hermannseiche zog er ostwärts, um sich mit einem von der Antsanvia ausgehendern Verbindungsweg, der von Siebertsheiligen kam, zu vereinigen. Weiter verlief der Ortesweg über die Niederröderhöhe, Kohlhaus und Bronnzell, wo er die Fulda querte, nach der Milseburg in der Rhön
Nach neueren Forschungen verlief der Weg, aus dem Marburger Land kommend, über den Vogelsberg, querte die Antsanvia, um dann bei Fulda-Bronnzell den gleichnamigen Fluss zu überqueren. Weiter führte der Weg über die Rhön (Wasserkuppe und Lange Rhön), wo der Weg östlich der Fränkischen Saale zur fränkischen Königspfalz Salz (vermutlich im Gebiet zwischen Salz und Bad Neustadt an der Saale gelegen) führte. Von dort aus gabelte sich der Weg zum Thüringer Wald und als Rennwegbzw. Hohe Straße über die Haßberge in den Raum um Bamberg.

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