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Die “ Hinterländer Mountainbiker“ sind Otto-Ubbelohde-Preisträger 2016 !

Preisträger-2016
Mit großem Stolz und Freude informieren die Hinterländer-Mountainbiker über die Entscheidung des
Kreistages zur Vergabe des diesjährigen Otto-Ubbelohde-Preises. „Aus insgesamt 54 Bewerberinnen und
Bewerbern hat sich die Jury auf die diesjährigen Preisträger geeinigt“, teilte Landrätin Kirsten Fründt am
Donnerstagnachmittag mit, nachdem der Kreisausschuss die Preisträger bestätigte. „Der Landkreis würdigt mit
der, mit der begehrten und weit über die Kreisgrenze hinaus bekannten Auszeichnung, die ungewöhnliche und
interessante Herangehensweise an historische Inhalte mit regionalem Bezug“, lautet das Fazit in der
Begründung für den Preis.

ottoEr gilt als höchste kulturelle Auszeichnung des Landkreises
Marburg Biedenkopf und ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Der nach dem Künstler benannte und für besondere
Leistungen u.a. in dem Bereich Heimatgeschichte vergebene Preis, würdigt vor allem das ehrenamtliche
Engagement, sowie die Auseinandersetzung mit der Region Marburg Biedenkopf. Die Hinterländer
Mountainbiker sind besonders stolz darauf, als erste Sportler diese seit 1987 verliehene Auszeichnung für Ihr
knapp 25 jähriges globales Engagement Geschichte er“fahren“ und damit Sport und Heimatgeschichte
miteinander zu verbinden, erhalten zu haben. Seit 2003 findet die Verleihung des Preises im Ritter-Saal des
kreiseigenen Landgrafenschlosses Biedenkopf statt und ist diesmal für den 6.Juli um 18 Uhr angesetzt.
Es grüßen die Hinterländer Mountainbikerbundestag

Unser neues Buch „Schurken, Schätze schnelle Beine“ erscheint im Juli 2016

„Schurken, Schätze schnelle Beine“ und 25 Jahre Hinterländer Mountainbiker Babarossaweg Geschichte er“fahren“ powerd by BULLS

2cover2016Mit großem Stolz geben die Hinterländer Mountainbiker eine der führenden Sportmarken auf dem deutschen und internationalen Fahrradmarkt als neuen Hauptsponsor bekannt. Die Marke BULLS ist die Eigenmarke der ZEG aus Köln, dem mit Abstand größten Verbund von Fahrrad-Fachhändlern in Europa.

 

Viele aus der Praxis einfließende Erfahrungswerte machen BULLS zu einer ganz besonderen Marke, die eine spezielle Mixtur aus Know-how, Erfahrung und Feedback aus dem Feld vereint. Dabei spielt die direkte Zusammenarbeit der Ingenieure mit den Profis des Team BULLS eine große Rolle. Auch die Hinterländer –Mountainbiker, als nach wie vor amtierende Guinnessbuchrekordhalter, mit 25 jähriger internationaler Erfahrung im Mountainbikesport und als Ganzjahresfahrer werden Ihre Optimierungsvorschläge an die Konstrukteure weiter geben. In 2016 und in 2017 werden Sie mit einem Wild Mojo 3, drei E-STREAM EVO Modellen und einem Wild Edge in Teambekleidung bei Ihren multimedial begleiteten Projekten unterwegs sein. Die Kombination von e- bike und MTB dokumentiert den Tribut an das Alter der mittlerweile teilweise über 60zigjährigen und bietet aber gleichzeitig auch die Grundlage als Team weitere spektakuläre Projekte gemeinsam zu realisieren.

 

Flankiert wird das Ganze mit dem für Juni geplanten Erscheinungstermin Ihres zweiten im Hardcover mit ca. 350 Seiten erscheinenden Buches „Schurken, Schätze schnelle Beine“. Neben der Eurobike planen Sie zwei weitere Events, um das Buch zu präsentieren und bundesweit zu vertreiben.

Etappenberichte des Ortesweges mit Karte und Höhenprofilen

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Kloster Kreuzberg, rau, rustikal, klerikal,
unser erstes Etappenziel auf dem Ortesweg (Ortesveca)

Bereits am Vorabend reisen wir mit einem preiswerten Hinterländer Bustaxiunternehmen im Rhön-Hotel Grabenhöfchen an, wobei unsere MTB’s in den auf den Anhänger geladenen B&M bikebags sehr gut geschützt transportiert wurden. In diesem für Biker aller Coluer eingerichteten Haus übernachten wir bei sehr guter Küche (Pfeffersack sehr zu empfehlen) gut und günstig, um am 23. Juli gegen 9 Uhr pünktlich aufzubrechen. Geführt werden wir auf unserer vorher navigierten Tour von neuester Garmin GPS Technologie auf den Spuren des 8. Jahrhunderts. Der Alte Weg aus der Wedereiba (Wetterau) führt zunächst durch die Hochrhön und später auf dem Rennweg durch die wenig bekannten Haßberge. Der Ortesveca, so der lateinische Name für Ortesweg, wurde später Teil der Verbindung von Fulda nach Bamberg, deren zweiter Abschnitt von der damaligen Pfalz Salz, einer Gründung Karls des Großen, auf dem sogenannten Haßberge-Rennweg bis nach Hallstadt führte. Die größtenteils Vergessenheit geratene Verkehrsader wurde in der Vita Sturmi vom vierten Abt Fuldas namens Eigil erstmals nachweislich erwähnt, als im Jahre 743 der Hersfelder Einsiedler und Mönch Sturmius im Namen des Bonifatius nach einem geeigneten Ort für das Kloster suchte. Dabei traf der Mönch auf einen Mann, der ein Pferd seines aus der Wedereiba stammenden weltlichen Herrn Ortis führte und dem Ortesveca genannten Weg aus dem Marburger Land in das Grabfeld zog. Ausgrabungen belegen, dass dieser Weg schon von den Kelten genutzt wurde und nach der These von Dr. Hahn aus Fulda und dem Marburger Altstraßenforscher Willi Görich verknüpfte diese Route schon in keltischen Zeiten wichtige Siedlungsschwerpunkte (Oppida), wie die keltischen Zentren Dünsberg bei Gießen, Steinsburg und die Milseburg in der Rhön. Heute bietet diese historische Route eine für Trekkingräder gut (zu 98% problemlos fahrbar) und MTB’s hervorragend geeignete Dreitagestour.
Zunächst leiten uns die Navis entgegen der Zielrichtung auf sehr guten Radwegen entlang vieler Holzskulpturen, die noch aus den Poppenhausener Bildhauertagen von 2009 stammen, in Richtung der Barockstadt Fulda. Dann vorbei am Fuldaer Haus, fädeln wir zum Naturdenkmal Steinwand ein. Hier bietet ein großartiger Singletrail die erste fahrtechnische Herausforderung. Nach etwa 10 Km, in der Nähe von Dipperz (GPS Daten: N 50°30’34,1353 / O 9°48’7,8821), treffen wir auf die Originalroute, die uns durch das naturbelassene und windkraftanlagenfreie Mittelgebirge mit seinem urwüchsigem Charakter, geprägt von kahlen Basaltkuppen, weiten Hochfläche und ausgedehnten Mooren führen wird. Vielfältige Aussichten auf Fulda, die 950 m hohe Wasserkuppe und später den Kreuzberg begleiten uns fast den ganzen Tag. Ein steiler und langer 400 m hoher Anstieg auf Hessens höchsten Berg beendet jedoch die Idylle. Wir sind dort um 13 Uhr mit Jochen Heinke verabredet. Jochen ist MTB Routenpionier und Initiator des 1000 Km langen Radwegenetzes durch das seit 1991 bestehende UNESCO Biosphärenreservat in der Rhön. Kennen wir uns doch nur wenige Wochen persönlich, so verbindet uns seit über 15 Jahren quasi eine Seelenverwandtschaft mit unserer gemeinsamen Passion Geschichte er“fahren“. Wir alle sind vom schlechten Mittagessen und dem durchweg auf Selbstbedienung ausgerichteten Lokalen auf der Wasserkuppe mehr als enttäuscht, denn nach den ganzen Anstrengung hätten wir uns doch mehr Qualität und Service gewünscht. Jochen erzählt von dem „steinigen“ Weg durch die Instanzen, endlosen Diskussionen mit Forstämtern und Naturschützern bis er endlich die Erlaubnis zur flächendeckenden Beschilderung erlangen konnte. Dann begleitet er uns und zeigt Belege für den historischen Wegeverlauf gepaart mit seiner unvergesslichen Weitsicht ins Land der offenen Fernen.
Weiter geht’s auf einem Abschnitt der Alten Reichsstraße vorbei am Roten Moor, wo noch bis in die 1970er Jahre Torf abgebaut wurde. Heute ist es eine Kernzone im Biosphärenreservat Rhön. Eine herrlich anspruchsvolle Abfahrt auf einer schon zu Beginn des 16.Jh. erwähnen Straße (Verbindungen zwischen Fulda Bad Neustadt und Würzburg) führt uns unmerklich von Hessen nach Bayern (Sorry, Oberfranken) in das Brendtal. Bei einem Cappuccino verabschieden wir uns von Jochen, jedoch nicht ohne ihm unser Buch „Geschichte erfahren“ als Dank in Bischofsheim zu überreichen. Der Legende nach war es der heilige Bonifatius, der hier um 750 n Chr. ein Kloster errichtete, in dem er auf seinen Reisen von Fulda nach Salz, also genau auf unserer Route, Rast machte. Damit zählt das 500 Seelenstädtchen zu den ältesten Siedlungen in dieser Gegend. In weiser Voraussicht füllen wir nicht nur wegen der Temperaturen noch einmal unsere Wasserflaschen auf, denn jetzt folgen, nach dem Einrollen durch das wegen seiner Mattenschanzen bekannte Örtchen Haselbach, die anstrengendsten Kilometer der gesamten Tour. Forstwege mit teilweise 16% igen Anstiegen rauben uns dabei noch die letzten Körner. Auf 864 m üNN erreichen wir gegen 18 Uhr das ersehnte Kloster Kreuzberg. Rau, rustikal, klerikal, eine gelungene Kombination von Kirche und Kommerz erwartet uns mit seiner seit 1731 produzierenden Brauerei, bei deftiger und günstiger Küche. Satt und erschöpft fallen wir gegen 22 Uhr in die spartanischen Betten unserer Kammern, denn dann ist Zapfenstreich, kompromisslos.

Fakten des Tages:
48 km
1350 Höhenmeter
Durchschnittsgeschwindigkeit 13,7 Km/h
Pannen: Keine
Übernachtung Anreise: Rhön-Hotel Grabenhöfchen an der B 458 bei Poppenhausen
Übernachtung: Kloster Kreuzberg 2 97653 Bischofsheim /Rhön

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Verborgene Königspfalzen, Klöster mit Oasen des Lebens und hinauf auf die „hessischen“ Haßberge.
Die zweite Etappe des Ortesweges (Ortesveca)

09:30 Uhr; gut gestärkt wartet zunächst der Anstieg zum 928 m hohen Gipfel des Wallfahrtsortes und heiligen Berges der Franken der Kreuzberge und damit der höchste Punkt unserer Tour auf uns. Möglicherweise befand sich hier schon in vorchristlicher Zeit eine heidnische Kultstätte. Der frühere Name Aschberg deutet auf kultische und religiöse Handlungen auf dem Berg zur Keltenzeit hin. Seit der Missionierung der Franken durch den Iroschotten St. Kilian und seine Gefährten im Jahre 686 gilt der Kreuzberg als „Heiliger Berg der Franken. Wir würdigen den herrlichen Blick zurück auf die Wasserkuppe und zu unserem nächsten Ziel Bischofsheim, um dann, vorbei an der Skipiste, zum technisch anspruchsvollsten Abschnitt unserer Tour zu gelangen.
Übermütig wie 15 jährige (richtig, nicht 50.) werfen wir uns in die nun folgende Abfahrt, die das Herz jedes Downhill-Liebenden höher schlagen lässt. Unsere Bikes tanzen quasi auf und über die Basaltbrocken und Wurzeln, bevor wir auf eine kilometerlange Buchenallee mit schnurgeraden befestigten Waldwegen gelangen, die in Richtung Bad Neustadt in das Fränkische Saaletal führt. Am Waldspielplatz „Kalter Rasen“ bei Hohenroth sind wir mit Martin Buchta von der Fa. Messingschlager (langjähriger Sponsor), der ursprünglich mal Geschichte studiert hatte, verabredet. Er begleitet uns mit seinem Bike zur Ausgrabungsstätte der Pfalz Salz (GPS: N 50°18’48,5688 / O 10°11’14,6825) und erläutert uns fachmännisch die geschichtlichen Hintergründe. Die bisherigen Forschungsergebnisse der Friedrich-Schiller-Universität Jena lassen darauf schließen, dass am Veitsberg die Hauptburg der ehemaligen Pfalz Salz mit einem Königsgut stand.

Schon seit Mitte des achten Jahrhunderts gibt es Aufzeichnungen über die Pfalz Salz. 790 wird erstmals ein Aufenthalt Karls des Großen genannt. Im Jahr 948 folgen rund ein Dutzend dokumentierter weiterer Aufenthalte von Königen und hochrangigen Gesandtschaften. So reiste beispielweise auch König Arnulf von Kärnten 897 von Fulda nach Salz.
Erst im Jahr 1983 entdeckte man durch Luftaufnahmen das historisch so bedeutsame Gelände auf dem Veitsberg und begann mit den Ausgrabungen. Auch wir hatten uns schon vor 13 Jahren bei unserem Projekt Brabanter Straße der wissenschaftlichen Methode der Luftarchäologie bedient, als wir mit einer offenen Propellermaschine von Breitscheid nach Schönstadt flogen. Nur so kann man durch Anomalien im Bewuchs die in Vergessenheit geratene alte Wege und Gebäudegrundrisse heute noch erkennen.
Eine zwei Meter breite Umfassungsmauer bildete eine Ecke in der ein mächtiger Rundbau mit ca. 16 m Außendurchmesser eingebaut wurde.
Insgesamt ergab sich damit auf der Südwestseite eine Mauerlänge von fast 130 Metern und eine Gesamtfläche für die wahrscheinlich kastellartige Kernanlage von etwa 1,5 Hektar.
Leider hat sich die Natur diese Ausgrabungsstelle mittlerweile wieder zurückerobert und ist deshalb ohne die Koordinaten heute kaum noch zu finden. Anschließend begleitet uns Martin in die Kreisstadt Bad Neustadt und führt uns am Marktplatz in die Geheimnisse der fränkischen Bierkultur ein. Nach der kurzen Erfrischung verlassen wir das Stadtzentrum vorbei am historischen Stadttor. Dort wartet, wie schon im Mittelalter üblich, ein Wege-Zoll auf uns. 5,- Euro, dafür aber ein Küsschen, so lautet der Tribut, den wir der angehenden Braut bei Ihrem Junggesellinnen-Abschied zollen „müssen“. Und weiter geht’s wieder durch die Naturlandschaft, die mit Ihren erntereifen Gerstenfeldern und den mediterranen Temperaturen oft an die Toskana erinnert, zur ehemaligen Zisterzienser- Abtei Kloster Maria Bildhausen bei Münnerstadt. Die Oase des Lebens (so die eigene Bezeichnung) verwirklicht ein vorbildliches Konzept. Denn behinderte Mitmenschen meistern hier unter Anleitung, inmitten historischer Gemäuer, engagiert den Restaurantbetrieb und das ohne jeglichen Qualitätsverlust. Zwar erscheint im Dominikus-Ringeisen-Werk das Bestell –und Rechnungssystem im ersten Moment ungewöhnlich, ist aber hervorragend auf die Behinderungen der Mitarbeiter abgestimmt. Nachdem wir neue Energie getankt haben, füllen wir noch einmal unsere Radflaschen, was Dank Reinhard Balzers „Besenwagen“ regelmäßig hervorragend funktioniert, denn jetzt wird’s wieder anstrengend und heiß. Vorbei an dem 4 Sterne Golfclub arbeiten wir uns, gnadenlos der Mittagshitze ausgeliefert, durch blumige Auen entlang geschichtsträchtiger Orte bis nach Sulzbach im Grabfeld. Unsere Rettung ist der hiesige Badesee, in den wir ohne lange zu überlegen, mit unseren Radhosen springen. Nach der herrlichen Abkühlung folgen wir nun dem weißen großen „R“ auf dunklen Hintergrund des historischen Rennweges, der uns ab jetzt bis Hallstadt lückenlos den Weg weisen wird. Begleitet von uralten Grenzsteinen, deren verwitterte Inschrift die Geschichtsträchtigkeit dieses Abschnittes bestätigt, wartet auf uns der letzten Anstieg des Tages, vorbei an der Ruine Wildberg hinauf zur Schwedenschanze mit ihrem Aussichtsturm und unglaublichem Panoramablick. Danach führt uns das große „R“ sicher auf kilometerlangen schnurgeraden Wegen“ mit mehreren Singletrail-Unterbrechungen in Richtung Hofheim. Eine letzte Abfahrt wird Jörg beinahe zum Verhängnis, aber er landet weich im hohen fränkischen Gras. Gegen 20 Uhr liegt unser Übernachtungsziel Hofheim in Unterfranken vor uns und wir genießen bei lauen Temperaturen am Abend die Gastfreundschaft im historischen Fränkischen Hof.

Fakten des Tages:
Infos
66 km 850 Höhenmeter
Durchschnittsgeschwindigkeit 14,7 Km/h
Pannen: Keine
Übernachtung: Hotel Fränkischer Hof D-97461 Hofheim Hauptstraße 4

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Sturmtief Zeljko fegt uns über den historischen Rennweg zu unserem Ziel nach Bamberg.
Die dritte und letzte Etappe des Ortesweges (Ortesveca)

Nach einem nächtlichen Gewitter hat es sich deutlich abgekühlt und ein stürmischer Wind bläst in Richtung Süd-Ost. Da scheint die gestrige Sturmwarnung für heute doch recht zu behalten. Die starke Brise schiebt uns leichten Fußes wieder hinauf auf die Haßberge. Die Herkunft der Bezeichnung Haßberge ist bis heute unklar. Einer Theorie zufolge wurde der Name Haßberge vom Stamm der Chatten (also unseren hessischen Vorfahren) abgeleitet, der ehemals in diesem Gebiet gesiedelt haben soll. Im 7. Jahrhundert n. Chr. war die Form „Hassi“ gebräuchlich. Andere Forscher sehen einen Zusammenhang mit einer „Hasenfurt“ über den Main (Haßfurt). Hier soll ein seichter Flussübergang auch „Hasenfüßen“ und „Angsthasen“ die gefahrlose Überquerung des Flusses ermöglicht haben. Unser Garmin GPS Höhenmesser pendelt nun ständig um 400-500m üNN und wir kommen zügig voran. Immer wieder typisch und ein weiterer Beleg für alte Hochstraßen sind die nebeneinander verlaufenden tiefen Fahrrinnen, die als Zubringer fungierten. Auch die Merowinger hinterließen entlang dieser Autobahn des Mittelalters ihre Spuren wie z. B. den Königshof in Fulda und Gräberfelder in den Haßbergen. Der Rennweg galt später auch als wichtiger Verbindungsweg zwischen der Abtei Fulda und der dazugehörigen Propstei Hammelburg. Durch, bis heute noch direkt an die Waldränder bewirtschaftete, Felder erreichen wir nach ca. 25 km das malerische Örtchen Pettstadt. Feine Fränkische Küche in denkmalgeschützen Gemäuern und ein Biergarten am See verwöhnen uns im hiesigen Gutsgasthof Andres. Nachdem Mattes als gelernter Konditor noch die Fränkischen Backkünste getestet hat, geht’s mit neuer Energie weiter zum Endspurt auf dem historischen Rennweg, dessen Name oft Programm ist. Wir folgen heute ununterbrochen dem Weg mit dem gut markierten weißen „R“, den man mit Fug und Recht als Autobahn des Mittelalters bezeichnen kann. Denn er ist als Eilboten und Kurierweg wissenschaftlich belegt, meidet als Höhenweg die meisten Ansiedlungen und bietet dadurch immer wieder malerische Ausblicke. Im Gegensatz zu frühen Straßenforschungen gilt es als wahrscheinlich, dass bereits die Karolinger „Straßen“ neu bauten bzw. Verbesserungen an den vorgefundenen Wegen vornahmen. Schleichend addieren sich unsere Höhenmeter und unser Garmin meldet schon am Mittag über 500 Tageshöhemeter. Stundenlang geht’s mit starken Seiten und teilweise Rückenwind zügig voran, bis wir bei Hallstadt wieder die Zivilisation erreichen und einen ersten Blick auf die Silhouette von Bamberg erhaschen. Hallstadt war, lange vor der Gründung Bambergs, ein wichtiges Zentrum für den Handel der Karolinger mit den Slawen. Bis dahin sonnenverwöhnt, bläst uns das Sturmtief Zeljko gefolgt von schwarzen Wolken gerade noch trocken Fußes nach Bamberg.
Der lange im Staub der Geschichte verborgene Ortesweg, der übrigens auch noch in der mittlerweile verschollenen Schenkungsurkunde von Hausmeier Karlmann an Bonifatius um 744 erwähnt wurde, in der er das Land für das Kloster Fulda erhielt, ist ideal für das Mountainbike geeignet, aber auch mit einem Treckingrad gut fahrbar, wenn man an den ersten beiden Etappen 3 kurze Schiebepassagen in Kauf nimmt. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir nach knapp 3 Tagen im Sattel, 166 km und 2750 Hm unser Ziel Bamberg. Zum Abschluss kehren wir standesgemäß in der urigen Brauerei Mahr mit fränkischen Bierspezialitäten und deftiger Küche ein, bis uns unser Taxiunternehmen „leider“ wieder pünktlich abholt.
Hier endet unsere Reise in die Geschichte, entlang historischer Zeugnisse mit vorbildlichen Wegemarkierungen, gepflegten Ruhemöglichkeiten, durch reizvolle Landschaften, malerische Flusstäler und versträumte Fachwerkorte.
Dank ausgereifter Fahrradtechnik und Ausrüstung hatten wir auf der gesamten Strecke keinerlei Pannen. Und trotz Abenteuern, wie China, Namibia, Japan, Brasilien, den USA oder auf Hannibals Spuren über die Alpen zählt diese Tour zu einer unserer schönsten Er“fahrungen“ der letzten 23 Jahre.

Fakten des Tages:
52 km 550 Höhenmeter
Durchschnittsgeschwindigkeit 17,3 Km/h
Pannen: Keine

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Infos über alte Straßen in Rhön, Spessart, Haßberge, Thüringer Wald im Buch „Mittelalterliche Straßen und Wege in der Rhön, im Grabfeld und in den angrenzenden Gebieten“ ISBN 978-3-942112-06-2 und auf www.unterwegs-auf-alten-strassen.de. Infos zum Mountainbiken, Radwandern und Ski-Langlauf in der Rhön findet man auf www.rhoen-active.de

Die GPS-Daten finden sie hier:

(bitte rechts klicken und speichern unter)

Daten 1. Tag

Daten 2. Tag

Daten 3. Tag

Das Buch der Hinterländer Mountainbiker „Geschichte erfahren“ (-ISBN 3-89445-361-3) findet man auf www.himobiker.de

Kurzes Video auf Youtube unter: https://www.youtube.com/watch?v=kmWPrWAGVLY

„Der Ortesweg- oder auf einer Autobahn des 8. Jahrhunderts Geschichte er“fahren“

 

Am 23. Juli starten wir mit unseren Mountainbikes und Rucksackgepäck, also wie zu unseren Anfangszeiten vor über 20 Jahren, auf einer der ersten urkundlich erwähnten Altstraßen, um Geschichte zu er“fahren“.
Der Alte Weg aus der Wedereiba (Wetterau) durch die Hochrhön und der Rennweg durch die wenig bekannten Haßberge  stellen heute eine Mischung von  MTB- und Trekkingrad  Route dar. Auf der teilweise nicht markierten Wegeführung legen wir in knapp 3 Tagen ca. 180 Km und ca. 3.000 Hm zurück. Dabei führt uns die historische Verkehrsader zu Ausgrabungsstätten aus jener Epoche und auch zu einem Kloster, in dem wir übernachten werden. Bei unseren Recherchen sind wir auf Jochen Heinke und eines seiner Bücher „Unterwegs auf den Straßen unserer Urahnen“ gestoßen. Er befasst sich seit vielen Jahren (vorwiegend in Osthessen, Unterfranken und Südthüringen)  mit der Konzeption und Wegweisung touristischer Routen und ist Autor zahlreicher Fachbeiträge und Bücher zum Thema „Historische Straßen und Wege“, aber auch vieler Fahrradbücher.
Uns bislang nicht so richtig bewusst verbindet uns seit über 15 Jahren eine Seelengemeinschaft. Denn er bezieht sich in seiner Altstraßenforschung wie wir u.a. auf  den großen hess. Altstraßenforscher  Willi Görich,  Historiker am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg. Genau wie wir, erforscht Heinke selbst historische Straßen und Wege, um sie für andere, z. B. per GPS, nach vollziehbar und damit begeh- und er“fahrbar “ zu machen. Mehr auch unter www.unterwegs-auf-alten-strassen.de und unter www.himobiker.de/?site=main2&cmd=brosch
Der sogenannte Ortesweg (Ortesveca) von der  Fulda durch die Hochrhön zur Fränkischen Saale spielt in der Gründungsgeschichte  des Klosters Fulda durch Bonifatius um die Mitte des 8 Jhd. , eine wichtige Rolle. Er wurde später Teil der Verbindung von Fulda nach Bamberg, deren zweiter  Abschnitt von der damaligen Pfalz Salz, einer Gründung Karls des Großen, auf dem sogenannten Haßberge-Rennweg bis nach Hallstadt führte. Hallstadt war, lange vor der Gründung Bambergs, ein wichtiger Handelsplatz für den Handel der Karolinger mit den Slawen.

Der Ortesweg, war also eine uralte Handelsstraße, die vom Marburger Land, über den Vogelsberg, die Rhön und über das historische Grabfeld zum bedeutenden karolingischen Handelsplatz Hallstadt bei Bamberg zum Main führte. Der Weg wurde im späten 8. Jahrhundert in der Vita Sturmi vom vierten Abt Fuldas Eigil erstmals erwähnt, als im Jahre 743 der Hersfelder Einsiedler und Mönch Sturmius im Namen des Bonifatius nach einem geeigneten Ort für das Kloster suchte.
Dabei traf er auf einen Mann, der ein Pferd seines aus der Wedereiba stammenden weltlichen Herrn Ortis führte und auf dem mit altem Namen Ortesveca genannten Weg aus dem Marburger Land in das Grabfeld zog. Der Weg soll auch in der Schenkungsurkunde (um 744, Urkunde verschollen) von Hausmeier Karlmann an Bonifatius erwähnt worden sein, in der er das Land für das Kloster Fulda erhielt. Ausgrabungen belegen, dass der Weg schon von Kelten genutzt wurde. Nach der These von Dr. Hahn aus Fulda und dem Marburger Willi Görich verknüpfte er schon in keltischen Zeiten wichtige Siedlungsschwerpunkte (Oppida), wie die keltischen Zentren Dünsberg bei Gießen, Steinsburg und die Milseburg in der Rhön.Kreuzberg
Kloster Kreuzberg Quelle de-academic-ru

Auch unser Etappenziel das Franziskanerkloster Kreuzberg nahe der Stadt Bischofsheim an der Rhön stützt diese These, denn möglicherweise befand sich in vorchristlicher Zeit auf dem Kreuzberg eine heidnische Kultstätte. Der frühere Name Aschberg deutet auf kultische und religiöse Handlungen auf dem Berg zur Keltenzeit hin. Seit der Missionierung der Franken durch den Iroschotten St. Kilian und seine Gefährten im Jahre 686 gilt der Kreuzberg als „Heiliger Berg der Franken. Auch die Merowinger hinterließen entlang der alten Hochstraße ihre Spuren (z. B. Königshof in Fulda und Gräberfelder in den Haßbergen). Er galt später als wichtiger Verbindungsweg zwischen der Abtei Fulda und der dazugehörigen Propstei Hammelburg. Der Fernweg wurde auch von den fränkischen Königen (897 reiste König Arnulf von Kärnten von Fulda nach Salz) und Kaisern benutzt, um zur Pfalz Salz zu gelangen.

Castellum Salz (VEITSBERG)
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Das Zentrum des Pfalzgebietes Salz, die eigentliche Pfalzanlage mit ihren notwendigen Repräsentations- und Kirchenbauten, ist auch bislang nicht sicher lokalisiert. Die ergrabenen Mauerzüge auf dem Veitsberg weisen den Platz, wenn schon nicht als palatium, so doch mindestens als fortifikatorischen Mittelpunkt des Pfalzgebietes aus.

Quelle: © Stadt Bad Neustadt a. d. Saale – Enfold Child Theme byArnulf

Arnulf von Kärnten
© wissenmedia

Im Gegensatz zu frühen Straßenforschungen gilt als wahrscheinlich, dass bereits die Karolinger „Straßen“ neu bauten bzw. Verbesserungen an den vorgefundenen Wegen vornahmen. So verliefen die vorfränkischen Wege (bis zum 6. Jh. n.Ch.), vorwiegend auf naturgegebenen Höhen (Höhenstraßen) und waren auf Furten angewiesen. Ihr wichtigstes Kennzeichen: Das Zusammenfallen mit Flurgrenzen auf größeren Strecken.
Die fränkischen Straßen (6. – 10. Jh. ) wurden planmäßig und unabhängig von den vorfränkischen Wegen vom fränkischen Staat und König angelegt. Ihr Kennzeichen: Brücken, Specken (Knüppelwege) Hohlwege und ähnliche Kunstbauten, dazu Verlauf im Tal. Wir haben uns auf unserer Tour für den Wegeverlauf der Hochstraße aus dieser Epoche entschieden.

Neben einem Vor- und 3 Tagebuchberichten in der mittelhessischen Presse schreiben wir auch eine Reportage für das Fahrradmagazin und ergänzt wird das Ganze mit unseren GPS Daten und einer Buchempfehlung.
Mit freundlichen Grüßen

DIE HINTERLÄNDER MOUNTAINBIKER
Mehr über die Guinessbuch-Rekordhalter erfahren Sie im Internet unter:
http://www.himobiker.de
Quellen:
Geschichte von Bad Neustadt, die eng mit dem Ortesweg und der Königspfalz zusammenhängt
Die Gemeinde Salz mit geschichtlichen Abrissen auch zum „Karolingerweg“
Der Ortesweg – der uralte Fernweg über die Höhen des Vogelsbergs
Der Verlust der Verkehrsbedeutung des Ortesweges

Quelle: altstrassen-in-hessen.de
http://www.rhoenline.de/verkehrsbedeutung.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Ortesweg
http://www.altstrassen-in-hessen.de/altstrassen/ortesweg.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Ortesweg
Franziskus Büll, Regina E. Schwerdtfeger: Germania Benedictina Band. VII: Hessen, St. Ottilien 2004, ISBN 3-8306-7199-7
Jochen Heinke: Unterwegs auf den Straßen unserer Urahnen, Nidderau 2003, ISBN 3-936622-10-8

Georg Landau 1842 Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen

Der Altstrassenforscher Friedrich Kofler
Weitere Hinweise und Orte am Weg:
nordöstlich der Hochrhön alle nördlich einer Linie etwa Oberelsbach – Bad Neustadt Brendtal wesentlich spätere Gründungdaten haben. Ortsnamen Unterweißenbrunn, Wegfurt, Frankenheim, Haselbach und Schönau bereits auf karolingische Zeit zurückzuführen, Die späte bzw. geringe Besiedelung des zum Salzforst gehörenden Brendtales lässt den Schluss zu, dass es vor der Jahrtausendwende wohl noch keinen wichtigen Weg über die Hochrhön durch das Tal gegeben hat. Dieser wird – wie in vielen anderen Tälern auch – erst mit der zunehmenden Besiedelung entstanden sein. Der frühzeitliche Ortesweg führte anscheinend schon in der Keltenzeit als Fernweg aus dem Marburger Land durch die nördliche Wetterau (Wedereiba) und den Vogelsberg nach Fulda, wo er bei Radmühl, wo die Salz überquert wurde, die Antsanvia kreuzte.

Südlich von Fulda bei Bronnzell überschritt der Ortesweg den gleichnamigen Fluß. Danach zog er weiter über die Rhön zur keltischen Milseburg bis in das historische Grabfeld und im Mittelalter zur fränkischen Königspfalz Salz.
Nach neueren Forschungen verlief der Weg, aus dem Marburger Land kommend, über den Vogelsberg, querte die Antsanvia (von via antiana = alte Straße), um dann bei Fulda-Bronnzell den gleichnamigen Fluss zu überqueren. Weiter führte der Weg über die Rhön (Wasserkuppe und Lange Rhön), wo der Weg östlich der Fränkischen Saale zur fränkischen Königspfalz Salz (vermutlich im Gebiet zwischen Salz und Bad Neustadt an der Saale gelegen) führte. Von dort aus gabelte sich der Weg zum Thüringer Wald und als Rennweg bzw. Hohe Straße über die Haßberge in den Raum um Bamberg. Südlich von ihr zweigte er vom beschriebenen Weg in das Grabfeld ab, um dann westlich am Roten Moor vorbei und über die „Himmeldunke“ in das Brendtal zu führen.
Dass der Weg von Bischofsheim nach Salz bereits zu dieser Zeit als reiner Talweg verlief, ist jedoch kaum anzunehmen. Um den sumpfigen Stellen auszuweichen, nahm man z.B. im Kinzigtal noch bis zum neuzeitlichen Straßenbau Steilanstiege hinauf, die die Flussbögen darüber hinaus noch abschnitten und den Weg verkürzten.

Die Rhön wurde zu dem Land, von dem man noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts sagte, es sei „rau, unwirtlich und lebensfeindlich.“ Man muss deswegen davon ausgehen, dass die Überquerung der Hochrhön mit Karren oder Fuhrwerken nur wenige Wochen im Jahr möglich war.
VERLAUF DES ORTESWEGES
Ich vermute, dass der Ortesweg von Fulda über Schlechtenwegen, Ulrichstein und Burg-Gemünden nach Amöneburg führte, wo Bonifatius schon 721 ein Kloster gründete. Zwei alte Quellen aus dem 19. Jh. über die Geschichte des Großherzogthums Hessen und der Geschichte Hessens belegen, dass Burg-Gemünden ehemals auch Ober-Gemünden und „Gemünden an der Straße“ hieß, da es an der alten Fernstraße Amöneburg – Fulda lag. Dort heißt es auch, dass die ursprüngliche Dorfschaft Gemünden wahrscheinlich den ganzen Bezirk bis an den Ort, wo sich die Felda in die Ohm ergießt, bedeckte „Dieser Ort aber konnte den Mönchen, die von Fulda nach Amöneburg reiseten, darum merkwürdig genug sein, um ihn nach dieser Ausmündung zu benennen“.
Zwischen Salzschlirf und Muß zog die uralte Straße von Fulda nach Amöneburg über die Altfell, und schon 885 bestand für dieselbe eine steinerne Brücke, die im 16ten Jahrhundert bereits zerstört, erst in neuester Zeit wieder hergestellt worden ist.“
führt den Ortesweg über Steinfurt und südlich von Schlechtenwegen durch die Haardt und über den Himmelsberg Richtung Fulda.
Nach anderen Quellen verlief der Ortesweg über den Taufstein im Vogelsberg und zog über Altenschlirf und Schlechtenwegen in den Lüdergrund bei Blankenau. Dort überschritt er den Fluss, führte vorbei an der Ortswüstung Dankenrod im Biebertal, und zog am Fuße der Hainburg, der Ruine eines mittelalterlichen Herrensitzes, talabwärts nach Hainzell. Südöstlich von Hainzell passierte der Ortesweg die Erlenstruth Richtung Schlagbergfurt nordwestlich Kleinheiligkreuz, wo er die Antsanvia kreuzte, und erstieg den Osthang des Himmelsberges. Nahe der Hermannseiche zog er ostwärts, um sich mit einem von der Antsanvia ausgehendern Verbindungsweg, der von Siebertsheiligen kam, zu vereinigen. Weiter verlief der Ortesweg über die Niederröderhöhe, Kohlhaus und Bronnzell, wo er die Fulda querte, nach der Milseburg in der Rhön
Nach neueren Forschungen verlief der Weg, aus dem Marburger Land kommend, über den Vogelsberg, querte die Antsanvia, um dann bei Fulda-Bronnzell den gleichnamigen Fluss zu überqueren. Weiter führte der Weg über die Rhön (Wasserkuppe und Lange Rhön), wo der Weg östlich der Fränkischen Saale zur fränkischen Königspfalz Salz (vermutlich im Gebiet zwischen Salz und Bad Neustadt an der Saale gelegen) führte. Von dort aus gabelte sich der Weg zum Thüringer Wald und als Rennwegbzw. Hohe Straße über die Haßberge in den Raum um Bamberg.

Ein Prosit auf die Gastfreundschaft

Ein Prosit auf die Gastfreundschaft

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 9

Die Familie Schaefer

Donnerstag, 18. September, Albany. Zu Besuch bei Bill Schaefer „Souvenirs, Dosenbier und weitere Geschenke“ – so lautete die Überschrift eines Artikels, der am 29. Juli 1968 in der Wetzlarer Neuen Zeitung erschien. Dieses Dokument und weitere, die wir in Wetzlar im Historischen Archiv fanden, machten uns sehr neugierig auf die Geschichte von Maximilian Schäfer, der 1838 auszog, um in Amerika sein Glück zu suchen.

Lange sah es so aus, als käme keine Erfolg versprechende Recherche im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zustande. Unsere zahlreichen Mails an die Pabst Brauerei, die mittlerweile Schaefer Bier in Lizenz braut, blieben allesamt unbeantwortet. Dass das aber in den USA nicht unüblich ist, haben wir mittlerweile gelernt. Wenn kein großes Interesse besteht, antwortet man halt nicht. Für uns, zumindest im geschäftlichen Leben, undenkbar.

Schaefer Beer (Foto: privat)

Auch der dankenswerte Einsatz des Konsulats in Los Angeles, dem Sitz des Pabst Headquaters, blieb erfolglos. Dabei interessierte uns doch brennend, was mit der Tür aus dem Elternhaus Maximilian Schäfers, welches heute noch nahezu unverändert am Kornmarkt in Wetzlar steht, geschehen ist.

Die Tür wurde 1966 von Wetzlar in die USA verschifft. Und: Was ist mit dem Originaltagebuchbericht von Maximilian Schaefer’s Überfahrt nach New York geschehen? Existiert der noch? Unter „Max’s Diary“ ist uns die englische Übersetzung bekannt. Unser Interesse galt aber dem Original von 1838, geschrieben in Sütterlin. Das alles waren Dinge, die wir vor Ort recherchieren wollten.

Über Henry Becker kam schließlich ein Kontakt mit Bill Combs zustande, ein Neffe Bill Schaefers, des letzten Besitzers der Brauerei. Und siehe: Bill Schaefer und seine Familie hatten genau so viel Interesse an einem Treffen wie wir.

Wir fuhren nach Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, etwa 120 Meilen nördlich von New York City gelegen. Mit dem Rad war das für uns terminlich leider nicht zu bewältigen, also musste kurzfristig am Flughafen ein Van gemietet werden, der uns aber auch später noch sehr nützlich sein sollte.

Leicht verspätet kamen wir um 11.15 Uhr in Albany beim verabredeten Museum an. Wir staunten nicht schlecht anlässlich des Empfangs, den man uns bereitete. Ein Großteil der Familie Schaefer war anwesend: Bill Schaefer nebst Gattin und Bill Schaefer jun. mit Frau und Kindern. Nach außerordentlich freundlichem Empfang führte uns die Museumsdirektorin – als hätte sie es geahnt – direkt zu dem Objekt unserer Begierde, der Tür aus dem Elternhaus Max Schaefers.

Die Familie Schaefer hält ihre deutsche Vergangenheit in Ehren

Nachdem diese bei den Schaefers in verschieden Häusern einige Jahre zugebracht hatte, hat sie nun ein würdiges Zuhause in einem Raum des Museums gefunden, indem die ganze Geschichte der Brauerei erzählt wird. Einer Geschichte, die 1842 mit der Übernahme einer kleinen Brauerei in New York begann und 1989 mit dem Verkauf des Imperiums an die Pabst Brauerei endete. 1968 war die Brauerei Arbeitsplatz von 4000 Menschen.

Neugierig wollten die Schaefers wissen, wie wir auf ihre Geschichte gestoßen sind und warum das so interessant für uns ist. Schnell wussten alle über China, Brasilien, Namibia und Japan Bescheid. Selbstverständlich blieb auch unser Guinnessbuchrekord nicht unerwähnt. Anschließend ging es zum Lunch in den ältesten Mensclub Amerikas.

Wir gehen mal stark davon aus, dass noch nicht viele diesen ehrenwerten Club in Shorts betreten haben. Das ist normalerweise ein absolutes „No-Go“. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns gepäcktechnisch auf das Minimum beschränken mussten, so unsere Entschuldigung, machte man eine Ausnahme. Nicht im Entferntesten hatten wir daran gedacht, dass man uns solch einen Empfang bereiten würde, sonst hätten wir zumindest die Wahl der Beinkleider nochmal überdacht.

Sei’s drum, an der festlich gedeckten Tafel mit Namensschildern wusste Bill Schaefer einiges über seine Vorfahren zu berichten. Zum Beispiel versendete sein Vater jedes Jahr zu Weihnachten etwa 3500 Postkarten mit dem Motiv des Geburtshauses im Winter. Da er Wert darauf legte, die Karten persönlich zu schreiben, musste er damit im Juli bereits beginnen.

Es war mehr als deutlich zu spüren, wie sehr sich diese Familie ihrer deutschen Vergangenheit bewusst ist und sie in Ehren hält. Nach dem Lunch hält Bill Schaefer beispielsweise plötzlich ein Wappen der Stadt Wetzlar in den Händen. Solche Geschichtsverbundenheit haben wir bei anderen Begegnungen nicht immer so positiv erlebt. Die Glaskrüge mit dem Motiv der Brauerei, aus dem wir uns das Schaefer Beer haben schmecken lassen, bekamen wir geschenkt, dazu eine Ahnentafel und die Geschichte der Brauerei in Form eines Jubiläumsbuches. So viel Gastfreundschaft hatten wir nur eine Ausgabe unseres Buches „Geschichte erfahren“ entgegenzusetzen. Das verlockende Angebot, über Nacht zu bleiben, mussten wir leider ablehnen.

Hier endet unser Amerika-Abenteuer und die Arbeit am Schreibtisch gewinnt wieder die Oberhand. Zahlreiche Presseberichte, zwei Reportagen für Reise- und Fahrradmagazine, aber auch unsere Projektbroschüre wollen geschrieben werden. Für unsere obligatorische und multimediale Präsentation, die bei freiem Eintritt im Bürgerhaus in Steffenberg-Oberhörlen am 2. Januar um 19 Uhr beginnt, gilt es zusätzlich aus den fast 1000 Bilder die schönsten herauszusuchen und aus den besten Filmsequenzen einen Kurzfilm (später auch auf Youtube) zu produzieren. Aber einhellig sind wir der Meinung: Trotz der vielen Arbeit – es hat sich gelohnt.

Erinnerungen an die Hindenburg

Erinnerungen an die Hindenburg

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 8

Erinnerungen an die Hindenburg

Mittwoch, 17. September, Lakehurst. Im Navy Lakehurst Heritage Center – etwa 120 Kilometer von New York entfernt – wollen wir einer Falschmeldung von Spiegel-Online auf den Grund gehen. Um 10.30 Uhr mit der hochversicherten Hindenburg-Leica im Gepäck treffen wir uns an der Cathedral of the Air mit dem Tour-Director Don Adams.

Erinnerungen an die Hindenburg

Konsulat erwirkt für Mountainbiker Zutritt zu militärischem Gelände

Erinnerungen an die Hindenburg

Offiziell haben nur US-Bürger Zutritt zu dem abgeschirmten militärischen Gebiet der Navy, aber dank der Hilfe des Konsulats erhalten wir eine Genehmigung. Auf der zweistündigen Tour dürfen wir fast alles fotografieren und sogar unsere Fahrräder mitnehmen.

Besuch in Hangar One

Tour-Director Don Adams bietet uns eine Einzelführung. In der Kirche zählen Gedenktafeln die Toten zweier weiterer Luftschiffkatastrophen auf, die sich schon vor dem Hindenburg-Unglück bei der Navy ereignet hatten.

Noch ergreifender für uns war jedoch der Anblick der bronzenen Gedenktafel an der Absturzstelle der LZ 129 Hindenburg mit 97 Menschen an Bord. Hier erlitt am 6. Mai 1937 innerhalb von nur 45 Sekunden die deutsche Luftschifffahrt einen herben Rückschlag. Don hat einige Fotos dabei, schildert lebhaft den Unfallhergang und erläutert uns die Ursache.

Anschließend besichtigen wir den Hangar One, dessen Größe uns die riesigen Dimensionen der damaligen Luftschiffe – die Hindenburg hatte eine Länge von 245 Metern – erahnen lässt. Zum Schluss besuchen wir noch das kleine Museum, in dem viele Originalteile der deutschen Luftschiffe ausgestellt sind, die von der schon damals hoch entwickelten Technik des deutschen Leichtbaues zeugen.

Don spricht, mit der Hindenburg-Leica in seinen Händen, voller Ehrfurcht von der legendären Graf Zeppelin, dem in seinen Augen besten und erfolgreichsten Luftschiff aller Zeiten. Wir entdecken Briefe von Werner Franz aus Frankfurt, der kürzlich im Alter von 92 Jahren als letztes Crewmitglied der Hindenburg gestorben ist.

Er war jedoch nicht der letzte der 62 Überlebenden, wie die Deutsche Presseagentur und Spiegel-Online in diesem Sommer berichteten. Denn ein Originalbrief jüngeren Datums und die Bekundungen von Don bezeugen, dass sich der in Colorado lebende Werner Doehner immer noch guter Gesundheit erfreut. Abschließend spenden wir Don noch ein anständiges Trinkgeld, denn unsere Führung war kostenlos.

Tipp: Unter navlake(at)prodigy.net können sich Interessierte bei ihm auch als Nichtamerikaner zu einer Tour anmelden.

New York mit dem Rad entdecken

New York mit dem Rad entdecken

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 7

Auf der Brooklyn Bridge

Dienstag, 16. September, New York. Am United Nations Plaza sind wir gegen 15.30 Uhr nach einer Fahrradstunde quer durch Manhattan im Deutschen Haus bei der frisch gebackenen Generalkonsulin Brita Wagener zu Gast. Aufgrund des UN-Gipfels, der in wenigen Tagen nur einen Steinwurf entfernt beginnt, hat sie nur wenig Zeit. Als passionierte Radfahrerin will sie es sich jedoch nicht nehmen lassen, uns persönlich kennen zu lernen.

Schon ein Jahr zuvor hatten wir uns an ihren Vorgänger gewandt und um Hilfe beim Zutritt zum militärischen Schutzgebiet in Lakehurst, zum Zugang zur Krone der Freiheitsstatue und um Unterstützung bei der Suche nach amerikanischen Genealogen gebeten. Und Unterstützung haben wir bekommen. Denn allein nur für unseren Ausflug nach Lakehurst wird uns eine Praktikantin zur Seite gestellt.

Doch zuerst einmal geht es auf zwei Rädern durch New York. Was für ein Gefühl, hier Rad zu fahren: Schon im Jahre 1626 kaufte der aus Wesel am Rhein stammenden Peter Minuit dieses Land von den Indianern ab. Seit dem sind deutschstämmige Menschen wesentlich an der Entwicklung von New York beteiligt. Dazu gehört auch der Bau der Brooklyn Bridge, die den gleichnamigen Stadtteil mit der Insel Manhattan verbindet.

Die Brooklyn Bridge

Wir sind etwas überrascht, wie rücksichtslos einige Radfahrer diesen ganz besonderen Rad- und Fußgängerüberweg zu ihrer Rennstrecke machen.

Das lag wohl nicht in der Absicht des deutschen Architekten und Erbauers Johann Röbling (1806-1869). Röbling stammte aus Mühlhausen in Thüringen und hatte mit deutscher Ingenieurskunst dieses weltberühmte Bauwerk zusammen mit seinem Sohn Washington entworfen und gebaut. Auf der anderen Seite angekommen, werden wir mit atemberaubenden Blicken und Bildern auf die Skyline von Manhattan mehr als belohnt.

Dieses Fahrraderlebnis ist übrigens genau so ein Muss wie die High Line, eine 2,5 Kilometer lange – zum Park ausgebaute – Hochbahntrasse. Die neun Meter hohe, früher vom Güterverkehr genutzte Trasse dient heute als Wander- und Fahrradweg, der sich wie ein grüner Faden durch den Süden Manhattans zieht.

Auf Entdeckungstour

In der Regel befinden sich die Radwege ausschließlich links, sind dafür aber teilweise zweispurig ausgebaut. Ist man nicht gerade in der Rushhour unterwegs, zeigen sich die anderen Verkehrsteilnehmer tagsüber defensiv und rücksichtsvoll. Gefahr droht von Bus und Taxifahrern. Grün bedeutet nicht automatisch Grün. Und nachts sollte man auf der Hut vor der gelben Gefahr (Taxis) sein, wie Uli fast um ein Haar schmerzvoll erfahren hätte. Deshalb sollte man sich grundsätzlich rechtzeitig auf den Weg machen, um nicht in den Berufsverkehr zu geraten. Denn wie in Los Angeles lauert für Radfahrer die größte Gefahr in der Unfallflucht.

Die Straßen selbst sind in einem schlechten Zustand, aber unseren Mountainbikes macht das nichts aus. Je weiter man sich jedoch in die Außenbezirke New Yorks entfernt, umso schlechter wird das Angebot an Fahrradwegen. Unverständlich ist für uns, dass es bei der Qualität der Straßen keine Helmpflicht gibt. Nur Radfahrer, die beruflich in der Stadt unterwegs sind, wie Eilboten oder Pizza- und Hähnchenlieferanten, müssen Helme tragen. Viele dieser Zweiradprofis sind jedoch mittlerweile auf E-Bikes unterwegs.

Zu Besuch im Leica Store

War das Radfahren noch vor Jahrzehnten total out, so erfreut es sich jetzt mehr und mehr der Beliebtheit der Amerikaner, wie wir auch schon in San Francisco feststellen konnten. Das sehr gut nachgefragte Verleihsystem der Citybikes floriert auch hier genau wie in europäischen Großstädten.

Abenteurer sorgen mit ihrer alten Leica für Aufsehen

Viele Nutzer – wie auch unser Koch, den wir auf seinem Dienstrad interviewen – beklagen jedoch das hohe Gewicht dieser ansonsten optisch und technisch ansprechenden Leihräder.

Auf Entdeckungstour

War es in den 70er Jahren noch eine Hand voll Radfahrer, die man in Manhattan am Wochenende auf Bikes antreffen konnte, so strömen heute an schönen Wochenendtagen 500 bis 1000 Biker in die Erholungsgebiete. Große Banner animieren, mit dem Rad zur Schule oder zur Arbeit zu fahren. Über 50 Kilometer legen wir schließlich in New York auf dem Sattel zurück.

Am Abend des 16. September sind wir noch von Elliot Kurland, dem Präsident und Inhaber des Leica Store‘s in SoHo, zur Eröffnung der Ausstellung „Namibia entitled Africanae and Chernogirls“ eingeladen. Unsere Hindenburg-Leica, die wir dabei haben, stiehlt den Bildern des bekannten Fotografen Marc Erwin Babej jedoch teilweise die Show.

Das Hörler Mädche in New York

Das Hörler Mädche in New York

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 6

„Ei gude wie, Hörler Mädche“: …

Montag, 15. September, Newark. Wir nutzen die frühe Stunde, um auf dem Weg zu unserem Apartment noch der Spur von Wilhelm Thomas und Mary Zerres nachzugehen, die aus Gönnern – Harry‘s Heimatort – 1909 nach Amerika ausgewandert waren. Mit reichlich Informationen von Günter Müller, einem Enkel von Mary Zerres versorgt, navigieren wir zur „Seated Lincoln Statue“.

Wir genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages und stellen die Szene vor dem Essex County Courthouse nach. Vor dem Gerichtsgebäude hatte 1913 Wilhelm Thomas für ein Foto posiert. Da sich der Gasthof, aus dem Wilhelm Thomas stammte, in nur 50 Meter Luftlinie von Harrys Wohnhaus in Gönnern befindet, liegt es natürlich nahe, dass er den Auswanderer aus dem Hinterland mimt.

Danach machen wird uns auf zur Dharma Home Suite in der 70 Greene Street, Yersey City. Noch wissen wir nicht, in welcher exponierten Lage sich unser preiswertes Apartment befindet. Fünf Tage New York liegen jetzt vor uns. Leider dürfen wir erst ab 15 Uhr unser feudales und am Hudson River strategisch hervorragend gelegenes Domizil in der 48. Etage beziehen.

Hier sind es zwar nur noch sechs Stunden Zeitverschiebung zu unserer Heimat, aber lediglich drei Stunden Schlaf im Flugzeug und die kalifornische Zeit hängen uns in den Knochen. Doch es hilft nichts, nach einem ausgiebigen Frühstück steht ein Projekthighlight auf dem Programm: das Hörler Mädche, besser bekannt als die Freiheitsstatue von New York.

Vor knapp zwei Jahren machte uns der Eschenburger Heimathistoriker Heinz Blöcher auf einen Artikel aufmerksam, der wesentlich dazu beitrug, dass wir uns bei dem Projektziel 2014 für die USA entschieden. Am 28. Oktober 1886 wurde die 46 Meter hohe, in Kupfer getriebene Freiheitsstatue auf einem 47 Meter hohen Steinsockel in New York enthüllt. Frédéric Auguste Bartholdi, der aus dem französischen Elsass stammte, war ihr berühmter Schöpfer.

Genau 100 Jahre später veröffentlichte die New Yorker Staatszeitung & Herold einen langen Bericht über die Geschichte des New Yorker Wahrzeichens, der wie folgt begann: „Wussten Sie schon, das die Vorfahren des Schöpfers der Freiheitsstatue aus der deutschen Heimat stammen?“ Doch Bartholdis Stammvater war nicht nur einfach Deutscher, Hesse oder gar Hinterländer. Nein. Besser: Seine aus Biedenkopf stammende Frau wurde in der gleichen Kirche der 800 Seelengemeinde Oberhörlen konfirmiert wie Jörg Krug. Und einige Jahre später wurde sie dort auch mit Barthold (die deutsche Namensversion) getraut, genau wie Uli Weigel 329 Jahre später.

Wie elektrisiert suchten wir nach diesen neuen Erkenntnissen nun nach Beweisen. Es sollte noch zwei mehr als 300 Jahre alte handschriftliche Eintragungen im Oberhörler Kirchenbuch geben. Und auch ein Grabstein im hessischen Krumbach sollte existieren. Die Fahrradziele für unsere nächsten sonntäglichen Recherchen in der Hinterländer Heimat standen fest. Und wir wurden auch Dank der Hilfe des Hörler Pfarrers Stefan Föste schnell fündig.

Klar, dass die Statue nun eines unserer Hauptziele in den Staaten war, und weil wir jetzt quasi mit dem großen „Mädche“ verwandt waren, hatten wir die Hoffnung, zumindest mit einem Rad in die Krone der Dame zu dürfen. Denn skurrile Fahrradabenteuer gehören zu unseren Projekten.

Doch monatelange intensive Versuche über die Konsulate, geschäftliche Kontakte und die Parkverwaltung, eine Sondergenehmigung zu erhalten, führen nicht zum Erfolg. Egal, jetzt sind wir vor Ort, steuern unsere Bikes zur Anlegestelle der Fähre nach Liberty Island und sehen schon von weitem mit Entsetzen die Hunderte Meter lange Besucherschlange.

Zwar haben wir genügend Geld für den Eintritt, aber nicht die Zeit, stundenlang anzustehen. Deshalb spricht Uli einen Ranger an und kämpft sich durch die Hierarchien. Mit Erfolg, denn zu unserer Überraschung weiß man schon von unserem Vorhaben: Ranger Jacob Shiflett führt uns vorbei an vielen neidischen Blicken und zudem kostenlos zur Fähre.

Sowohl auf der Fahrt zur Statue, wie auch beim Rundgang auf der Insel klären wir nicht ohne Stolz deutsche Touristen über unsere ganz besondere, ja eigentlich verwandtschaftliche, Beziehung zur Statue auf. Jenes amerikanische Freiheitssymbol, das alle, auch die deutschen Einwanderer, als erstes bei ihrer Ankunft in der „neuen Welt“ erblicken.

Ingenieurskunst am Goldenen Tor

Ingenieurskunst am Goldenen Tor

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 5

Sonntag, 14. September. Seitdem wir global unterwegs sind, stellen die Projekte auch logistisch eine immer größere Herausforderung an uns. Reichte in Namibia noch ein Van und in Japan der Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug), so mussten wir uns in den USA etwas anderes einfallen lassen, um die teilweise notwendigen Transfers von bis zu 5000 Kilometern zu meistern. Leider haben wir im Gegensatz zu unseren neuen Freunden Joe Breeze und Otis Guy, mit denen wir noch am Vortag gemeinsam auf den Bikes unterwegs waren, nicht die Zeit, das mit unseren Rädern zu meistern. Beide hatten es zweimal – zuletzt vor mehr als 30 Jahren – mit ihrem Tandem versucht, den damals gültigen Bike-Rekord von San Francisco nach New York zu brechen.

Durch die Speichen geschaut: …

Es ist 4 Uhr morgens, als sich Joe Breeze und Otis Guy am 12. Juni 1979 von der Golden Gate Bridge in San Francisco auf den Weg machen. Sie wollen den Rekord für die Durchquerung der USA auf einem Fahrrad unterbieten. Dieser liegt bei 13 Tagen, einer Stunde und 40 Minuten und wurde 1978 von John Marino aufgestellt. Das kühne Ziel lautet, die Strecke in weniger als zwölf Tagen zu bewältigen. Drei Jahre zuvor mussten sie bei ihrem ersten Versuch nach sechs Tagen aufgrund von Knieproblemen von Joe aufgeben. Diesmal wählen sie eine Strecke mit einer Distanz von etwas mehr als 4800 Kilometern, was einen Schnitt von 417 Kilometern und 15 Stunden pro Tag im Sattel bedeutet. Dort, wo ein Fahren nicht möglich ist, muss das Tandem getragen werden. Otis steuert, Joe sitzt hinter ihm. Am ersten Tag erreichen sie in guter Verfassung – nach 419 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 104 Stundenkilometern – Reno.

Am zweiten Tag schaffen sie 475 Kilometer, nach weiteren 369 Kilometern sind sie in Salt Lake City. Sie liegen gut im Plan, aber wie schon drei Jahre zuvor schmerzt Joes Knie wieder. Im Krankenhaus macht man ihm deutlich, dass ein Weiterfahren nicht möglich sei, ohne das Knie dauerhaft zu schädigen. Und so nimmt auch der zweite Versuch ein jähes Ende.

Die Brücke über die Bucht von San Francisco – ein Muss für Radfahrer

Um uns dies zu ersparen, wählen wir den Nachtflug nach New York, zumal wir auch nur zehn Tage für unser Projekt in den USA haben. Bevor wir unsere Bikes in den B&W Bags sicher verstauen, wollen wir noch der Golden Gate Bridge und Sausalito einen Besuch abstatten. Ein Muss für Radfahrer, aber die Fahrt über das Wahrzeichen San Franciscos ist an einem Sonntag und noch dazu um die Mittagszeit für „normale“ Radfahrer nicht ganz ungefährlich. Hunderte Biker sind auf einer Spur in beiden Richtungen unterwegs und nehmen mehr oder weniger Rücksicht aufeinander.

Immerhin werden wir mit Heldenwetter belohnt und genießen die Fahrt über die Brücke in beide Richtungen. Direkt im Anschluss besuchen wir nach einer guten Meile auf vorbildlichen Radwegen den beschaulichen Hafenvorort Sausalito. Inmitten vieler Biker aller Couleur, speziellen Parkplätzen und Kneipen für Biker und auf hervorragenden Fahrradspuren entlang der Küste fühlen wir uns pudelwohl, bis gegen 17 Uhr der Flugplan ruft.

Übrigens hat auch beim Bau der Golden Gate Bridge deutsche Ingenieurskunst ihre Spuren hinterlassen. Die Firma Roebling war der Lieferant der innovativen Tragseile, die diese kühne Konstruktion erst ermöglichten.

– Lesen Sie morgen, warum die Hinterländer Mountainbiker mit der Freiheitsstatue verwandt sind und es neidische Blicke für die deutschen „Nachfahren“ aus der Warteschlange gibt.

Auf Du und Du mit Legenden

Auf Du und Du mit Legenden

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 4

Freitag, 13. September, Fairfax. Heute wollen wir uns der Historie unseres Sports widmen. Kaum eine andere Sportart ist so jung und hat sich dennoch so rasant entwickelt wie der Mountainbike-Sport. Die Suche nach dem Ursprung des Mountainbike sollte ein Highlight werden.

Sicher ist es schwierig, auszumachen, wo der Ursprung des Mountainbikes zu finden ist, handelt es sich doch primär um ein geländegängiges Fahrrad. Das Puch Waffenrad zum Beispiel, mit dem bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Alpen erkundet wurde, passt ebenso zum Bild eines Ur-Mountainbikes wie etwa die robusten Fahrräder, mit denen die legendären „Buffalo Soldiers“ ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts eine Fahrrad-Kompanie der amerikanischen Nordstaaten bildeten, um abseits befestigter Straßen unabhängig von Pferden mobil zu sein. Bob Marley widmete übrigens diesen Männern seinen gleichnamigen Song.

Kalifornien, mehr als 300 Sonnentage im Jahr und traumhafte Bergregionen – das ist der Geburtsort des Mountainbikes! Wir sind auf dem Weg nach Fairfax, eine kleine Stadt in Marine County, nördlich von San Francisco. Dort entsteht grade das Museum of Bicycling, welches auch die Mountainbike Hall of Fame beheimaten wird. Wir sind aufgeregt, haben wir uns doch mit einigen ganz besonderen Persönlichkeiten verabredet, die uns die Geschichte unseres Sports aus erster Quelle vermitteln können: Sie waren dabei, als das Mountainbike begann, den Radsport weltweit um eine bedeutsame Facette zu bereichern.

1973 begannen Gary Fisher und sein Freund Jo Breeze, beide erfolgreiche Radrennfahrer, die Berge um Fairfax in Marin County mit den Fahrrädern zu erobern. Als Basis dienten die aus den 1930er bis 1950er bekannten Cruiser Fahrräder – auch Beach Cruiser genannt. Sie wurden maßgeblich von der Firma Schwinn in den USA entwickelt und gebaut. 1933 übernahm die Schwinn Bicycle Company erstmals Luftreifen aus Deutschland und verbesserte den Fahrkomfort deutlich.

Die Schwinn Cruiser wurde auch liebevoll „Clunker“ genannt, da sie recht schwer und nicht unbedingt für das schnelle Fahren auf der Straße geeignet waren. Auf Grund der Stabilität, der aufrechten Sitzposition und der Luftreifen taugten sie aber zum Gelände-Fahrrad. Der Mount Tamalpais nähe Fairfax bot Breeze und Fisher die ideale Spielwiese für steile Abfahrten im Gelände. Bergauf mussten die schweren Clunker, auf Grund der damals noch nicht vorhandene Schaltung, mühsam geschoben werden.

Es entwickelte sich eine „Clunker-Szene“ um die Pioniere Gary Fisher und Jo Breeze, zu dessen harten Kern sich auch Tom Ritchey, Charly Kelly und Otis Guy gesellten. Der Mountainbike-Sport war geboren. Somit war es auch ein Deutscher, nämlich Ignaz Schwinn – geboren in Hardheim in Baden-Württemberg -, der den Grundstein zum modernen Mountainbike legte.

In den folgenden Jahren entwickelte sich aus den Abfahrten 1976 das legendäre Repack-Rennen, ein Downhill-Rennen auf einer steil abschüssigen Schotterstraße vom Mount Pine hinunter nach Fairfax. Wagemutig stürzten sich die Fahrer mit ihren Clunker den Berg hinab, lediglich mit Rücktrittbremse, ohne jeglichen Federungskomfort und Sicherheitsausrüstung, immer auf der Jagd nach neuen Bestzeiten.

Das Repack-Rennen geht als erstes Mountainbike-Rennen in die Geschichte ein. Die Clunker wurden weiter optimiert. Besonders Gary Fisher war für Neuerungen an den Rädern bekannt. Er baute eine Gangschaltung mit Daumenschalter an seinen Clunker und verwendete Schnellspanner für die Sattelstütze. Sein Großvater kam übrigens aus Bayern, sein Nachname wurde Fischer geschrieben.

Doch noch immer waren die Clunker sehr schwer und brachen gelegentlich. Joe Breeze war der erste, der 1977 den ersten echten Mountainbike-Rahmen fertigte. Der Rahmen war deutlich leichter und gleichzeitig stabiler als alles, was bis dahin von der Szene verwendet wurde. Gary Fisher und Joe Breeze gelten damit zu Recht als Erfinder des Mountainbikes.

Mittlerweile stehen wir vor dem Museum, haben unsere Räder aufgebaut und erhaschen einen ersten Blick durch die Scheiben. Die Realisierung des Museums wird ausschließlich aus privaten Geldern finanziert. Ein lässig gekleideter Mann in Shorts und T-Shirt kommt auf uns zu. Es ist Joe Breeze, der uns herzlich begrüßt und hinein bittet. Exponate sind keine ausgestellt, das Museum befindet sich noch im Bau. Joe erklärt uns, wie es später aussehen wird.

Hinterländer treffen auf der rasanten Fahrt auf Klapperschlange und Wapiti

Plötzlich klopft es an der Scheibe. Es ist Otis Guy. Er ist genau wie wir im Radfahr-Outfit gekommen, und das hat einen guten Grund. Otis, dessen Mutter aus Berlin stammt, möchte gerne mit uns den legendären Repack-Downhill fahren, sein Sohn wird uns dabei begleiten. Doch bevor es losgeht, holen wir noch unser Buch aus dem Rucksack und überreichen es Joe. Es ist das erste Werk in den sonst leeren Regalen. Wir fühlen uns sehr geehrt.

Ganz in der Nähe des Museums befindet sich das „Gestalt Haus“, eine Kult-Kneipe für Radfahrer. Hier treffen sich die Biker auf ein Bier, auch wir machen einen kurzen Stopp, denn Otis möchte uns jemanden vorstellen: Gary Fisher sitzt auf einer Bank in der Kneipe mit ein paar Freunden. Diese Gelegenheit nutzen wir für ein gemeinsames Foto auf der Repack-Bank. Die Bank vor dem „Gestalt Haus“ ist mit Schildern und Plaketten übersät. Auf ihnen sind alle die Namen verewigt, die das legendäre Downhill-Rennen schon gewonnen haben. Es liest sich wie das „Who’s who“ des Mountainbike-Sports. Nahezu alle Größen sind hier aufgeführt.

Es war eine gute Idee, eine kleine Pause auf der Bank zu machen, denn jetzt geht es in die Berge. Gut auch, dass wir uns das Bier für später aufsparen. Es liegen 500 Höhenmeter vor uns, die auf den nächsten 10 Kilometern zurückzulegen sind. Ein hartes Stück Arbeit, zuerst auf asphaltierter Straße, später auf Schotterpisten. Besonders der steile Anstieg zum Gipfel des Mount Pine zwickt in den Waden.

In die Wade zwicken können auch Klapperschlangen. Denn in einem Gestrüpp am Wegesrand machen wir Bekanntschaft mit einer, die glücklicherweise bis auf das typische Klappern eher zurückhaltend auf unser Vorbeifahren reagiert. Belohnt werden wir nach dem Anstieg mit einem herrlichen Ausblick, der bis zum Atlantik und nach San Francisco reicht.

Da liegt sie nun vor uns, die erste Mountainbike-Rennstrecke der Geschichte. Ein kleines Schild weist dezent darauf hin. Otis empfiehlt uns, es bergab langsam angehen zu lassen. Der Untergrund ist sehr trocken, sandig und daher zum Teil sehr weich. Wenn man die Strecke nicht kennt, kommt man schnell vom Kurs ab. Er muss es wissen, schließlich hat er selbst bereits das Rennen schon einmal gewonnen, mit der drittschnellsten jemals gefahrenen Zeit.

Wir beherzigen seinen Rat und stürzen uns hinab, um die gesammelten Höhenmeter wieder in kürzester Zeit zu vernichten. Auch wenn die Strecke technisch nicht anspruchsvoll ist, so hat sie viele enge Kurven, ist steil und entsprechend schnell. Ein Abflug wäre verheerend. Zudem muss man immer mit Überraschungen rechnen: Mitten in einer Kurve hockt ein Wapiti, die Amerikaner nennen diese Hirsche auch „Buck“. Das mächtige Tier ist ebenso erschrocken wie wir, springt auf und flüchtet in die Büsche. Bei einer Kollision hätten wir sicher den Kürzeren gezogen. Auch Otis ist überrascht, so etwas hatte er noch nicht erlebt.

Nach etwa sieben Minuten, 4 Kilometern und 400 Höhenmetern ist der Spaß vorbei. Alle sind wohl behalten unten angekommen. Kaum vorstellbar, wie die Jungs damals vor fast 40 Jahren den Downhill mit ihren Clunkern und ohne Helm hinunter geschossen sind, und das in einer Zeit unter 5 Minuten.

Langsam rollen wir zurück nach Fairfax. Im „Gestalt Haus“ hängen wir unsere Räder an die Wand und lassen den Tag ausklingen. Auch Joe gesellt sich wieder zu uns, und wir haben die Gelegenheit, bei einem gemeinsamen Bier über unsere Geschichte, die Geschichte des Mountainbikes, den Repack und die Clunker zu plaudern.

Es ist, als wären wir mittendrin in der Geschichte des Sports, mit dem wir uns seit mehr als 20 Jahren beschäftigen. Für uns war dieser Tag ein ganz besonderes Abenteuer. Jeder Sport hat seine Legenden. Wir hatten die Gelegenheit, unsere Legenden zu treffen.

– Lesen Sie morgen über eine besondere Tandemfahrt, über Hunderte Biker auf der Golden Gate Bridge und über tragende deutsche Ingenieurskunst.