Sonne senkrecht am Napa Trail

Sonne senkrecht am Napa Trail

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 3

Schussfahrt über eine Brücke …

Freitag, 12. September, Napa. Es fängt schon wieder gut an. Als wir gegen halb zehn die Räder aus dem Konferenzraum holen, den uns das Hotel für unsere Bikes zur Verfügung gestellt hat, stellen wir fest, dass Jörgs Rad erneut platt ist. Nachwehen des gestrigen Tages. In der Pannenstatistik steht es jetzt 3:2:0. Drei platte Reifen bei Harry, zwei platte Reifen bei Jörg, Uli geht leer aus.

Gleich geht’s los: Harald …

Eine Stunde vergeht, in der wir unsere Räder flicken wie die Weltmeister. Anschließend machen wir uns auf den Weg zu einem Bikeshop, neue Schläuche müssen her. Doch der Shop öffnet freitags erst um 12 Uhr mittags. Notgedrungen geht es ohne weiter, und es kommt wie es kommen musste: Jörgs Vorderrad schwächelt wieder. Zum Reparieren müssen mittlerweile altersschwache selbstklebende Flicken herhalten, alles andere ist aufgebraucht.

Wir suchen inzwischen in Supermärkten nach Schläuchen. Im „Target“ werden wir fündig – 26″ und 29″ sogar mit Pannenschutz, genau das, was wir brauchen. Es ist schon fast Mittag, als wir endlich am Einstieg des Napa Trails ankommen, den wir von zu Hause bereits als GXP-File auf unseren Garmins geladen haben.

Die Sonne brennt gnadenlos senkrecht auf uns nieder. Der Trail empfängt uns mit unangenehmen, felsigen Anstiegen, die nicht leicht zu fahren sind – schon gar nicht in sengender Mittagshitze. Oft müssen wir absteigen und schieben. Hoffentlich reichen unsere Trinkreserven, denn wir wissen nicht, was uns auf dem 19 Kilometer langen Rundkurs noch erwarten wird. Das macht es schwierig, sich die Kräfte gut einzuteilen.

Die Temperatur steigt, die Laune sinkt, und die Wasservorräte gehen zur Neige

Die Temperatur steigt, die Laune sinkt. Schnell ist die 40-Grad-Marke erreicht. Zwei Biker kommen uns entgegen, die haben es wahrscheinlich schon geschafft. Nach Überwindung des ersten schwierigen Teilstückes entpuppt sich der Weg nach und nach als anspruchsvoller, abwechslungsreicher Pfad, mit allem was das Mountainbiker-Herz höher schlagen lässt. Rasante Downhills wechseln sich mit anspruchsvollen Anstiegen ab.

Unsere Mundwinkel gehen wieder nach oben. Serpentinenartige Spitzkehren verlangen uns alles ab, immer die Angst im Nacken, nicht rechtzeitig aus den Pedalen zu kommen. Das ist mittlerweile zu einem Problem geworden. Die Clickies lösen nur sehr widerwillig aus, obwohl wir sie schon ganz geöffnet haben, was uns verständlicherweise in schwierigen Passagen unsicher werden lässt und den Fahrspaß etwas trübt.

Jetzt vermissen wir zum ersten Mal unser Pflegeöl. Aber das stand nicht auf der Checkliste, wir sind schließlich mit Rohloff Speedhub, in Verbindung mit Gates-Carbon Riemenantrieb unterwegs – ein Rundum-sorglos-Paket, welches keinerlei Wartung benötigt. Nur den Pedalen würde etwas Pflege guttun. Auf der Checkliste für die nächste Tour wird das Öl wieder drauf stehen.

Der Weg schlängelt sich weiter an Berghängen entlang und kreuzt auch schon mal andere ausgeschilderte Trails, was uns irritiert. Aber dank unserer Garmins sind wir uns relativ sicher, auf dem richtigen Pfad zu sein, denn den Napa Trail als solchen gibt es nicht. Er setzt sich aus mehreren kleineren Rundwegen zusammen, die uns dazu zwingen, unsere GPS-Geräte ständig im Auge zu halten. Zum Glück melden diese rechtzeitig über ein akustisches Signal, wenn eine Kreuzung oder ein Abzweig naht. Sogar die benötigte Zeit und die Entfernung zur nächsten Kursänderung werden auf dem Display angezeigt.

Unsere Wasservorräte gehen langsam zur Neige, so dass wir froh sind, früher als erwartet wieder auf menschliche Behausungen zu stoßen. Zielstrebig steuern wir einen mexikanischen Supermarkt an. Ein Six-Pack Bud Light aus dem Kühlregal wechselt ziemlich schnell den Besitzer.

Beeindruckt sind wir auch von der prall gefüllten Fleischtheke. Nichts für Vegetarierer. Uli entdeckt sogar die ersten Saufüßchen in der sonst so Schweinefleisch armen Gegend. Das eiskalte Bier lassen wir uns draußen am Straßenrand, im Schatten eines Baumes, schmecken und kommen schnell ins Schwärmen, angesichts des Erlebten.

Keiner von uns denkt daran, dass Alkohol in USA in der Öffentlichkeit zumindest nicht gerne gesehen wird. In manchen Bundesstaaten ist es sogar verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken. In Kalifornien zum Glück nicht.

Im Nachhinein gehört der Napa Trail mit zu den schönsten und anspruchsvollsten Strecken, die wir gefahren sind. Die Strapazen sind schnell vergessen, das Positive gewinnt die Oberhand. Wir freuen uns jetzt auf den Pool, etwas Schönes zu Essen und die anschließende Weinprobe bei Beringer Wineyards in St. Helena – ein Weingut mit deutschen Wurzeln. Alles in allem ist es noch ein gelungener Tag geworden, den wir auf der Terrasse des „River Terrace Inn Hotel“ bei Beringer- und Krug-Wein ausklingen lassen.

Fakten des Tages: 40 Grad Celsius, 2 platte Reifen, 30 Kilometer, 430 Höhenmeter, Fahrzeit 2,5 Stunden.

– Lesen Sie morgen, was Bob Marley mit dem Mountainbike zu tun hat, warum ein Abflug beim Repack-Rennen verheerend ist, sowie über eine Klapperschlange, ein Wapiti und ein Treffen mit Mountainbike-Legenden.

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