Pleiten, Pech und Stachelbeeren

Pleiten, Pech und Stachelbeeren

SERIE Die Hinterländer Mountainbiker auf Spurensuche in den USA – Teil 2

Donnerstag, 11. September 2014, Napa Valley. Es ist 8 Uhr morgens. Wir haben um 10.30 Uhr in der Charles Krug Winery einen Termin zur Weinprobe. Das Weingut ist das älteste und eines der größten im Napa Valley. Wir wollen um 9 Uhr loszufahren, um pünktlich mit den Bikes in St. Helena zu erscheinen.

Charles Krug aus Trendelburg …

Nach Harrys Google- Maps-Recherche sind es vom Hotel bis zur Krug Winery genau 8,3 Meilen. Das müsste klappen. Doch weit gefehlt. Anstatt der 8,3 Meilen lagen mehr als 20 Meilen vor uns. Schnell war klar, dass wir uns um eine knappe Stunde verspäten würden. Hundert Meter vor dem Ziel hatten wir dann auch noch einen Platten.

Um 11.20 Uhr kamen wir an, doch da wir die einzigen waren, die für eine Führung angemeldet waren, gab es kein Problem mit der mangelnden Pünktlichkeit der Deutschen. Empfangen wurden wir von Rebecca Pattersen, die uns mit Geduld und Fachwissen viel über die Geschichte der Familie Krug und über den jetzigen Besitzer Peter Mondavi erzählte.

Charles Krug, Lehrer aus Trendelburg im Landkreis Kassel, kam 1860 nach Napa Valley. Er hielt dieses wunderbare Fleckchen Erde für ideal, um Weinanbau nach seinen Vorstellungen zu betreiben. Mit nicht besonders viel Erfahrung und ohne Weinpresse, die er sich zunächst leihen musste, begann er in St. Helena mit dem Weinbau.

Cesare Mondavi kaufte das Weingut 1943 für 75 000 Dollar. Seither ist es im Besitz der Familie Mondavi und wird aktuell von Peter Mondavi jr. immer noch unter „Charles Krug“ geführt. Es ist somit das älteste noch existierende Weingut im Napa Valley. Das Wort „Napa“ kommt übrigens von den Ureinwohnern und bedeutet Haus.

Wir lassen uns verschiedene Rot- und Weißweine in der Atmosphäre dieses alten feudalen Anwesens schmecken. Nach Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Cabernet Sauvignon findet der Besuch in angemessenem Ambiente sein Ende, wo wir natürlich ausreichend Gelegenheit zum Kauf der Weine bekommen.

Beim Gespräch mit Rebecca Pattersen erfahren wir, dass ihr Mann auch begeisterter Biker ist. Spontan laden wir ihn ein, uns bei der geplanten Tour des legendären „Repack-Downhills“ in Marin County zu begleiten. Wenn alles klappt, treffen wir dort auf die Legenden des Mountainbike-Sports. Doch dazu später.

Nach der beeindruckenden Weintour sind wir uns einig, den geplanten MTB-Rundkurs von rund 47 Kilometern Länge sausen zu lassen und stattdessen direkt den Heimweg durch die Weinberge anzutreten.

Auf Stippvisite beim CIA – dem Kulinarischen Institut von Amerika

Vorher wollen wir noch dem Culinary Institut of America, kurz CIA, einen Besuch abstatten. Der Kontakt zu der Kochhochschule ist durch unseren Freund und Bekannten Iwo Jahn zustande gekommen.

Da das Institut unweit der Krug Winery liegt, entschließen wir uns spontan, die Schule zu besuchen. Nicht zuletzt auch in der Hoffnung, eventuell noch etwas zu essen zu bekommen. Leider hat das Restaurant schon geschlossen. Nach einem kurzen Gespräch mit Lars Kronmark, Chief Instructor des CIA, machen wir uns um 16 Uhr auf den Heimweg – durch die Weinberge soll’s gehen. Keine gute Idee. Drei Plattfüße später und nur 500 Meter weiter an dornigen Stachelbeerbüschen entlang, entschließen wir uns, das Vorhaben aufzugeben. Kein Schlauch mehr, und das Flickzeug ist ziemlich aufgebraucht.

Nun liegen 32 Kilometer bei 38 Grad entlang des vielbefahrenen Highways 128 vor uns. Selbst die unglaublich süßen Weintrauben vermögen es nicht, unsere Stimmung aufzuhellen. Schweigend machen wir uns auf nach Napa.

Die Sonne meint es zu gut mit uns, erste Unterhopfungserscheinungen zeigen sich. Die bekämpfen wir notdürftig mit einer hastig verschlungenen Cola Light von der Tanke und erreichen so ziemlich erschöpft um 18.30 Uhr und nach 68 Kilometern die lang ersehnte Oase: das River Terrasse Inn Hotel in Napa. Ein optimales Hotel, das uns bei Pool, Wein, Steaks und Livemusik schnell die Strapazen des Tages vergessen lässt.

– Lesen Sie morgen über den Napa Trail in sengender Mittagshitze, über Clickies, die nur widerwillig auslösen, und über ein kühles Bier am Straßenrand.

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